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Weise Raben jagten schwarze Räuber

Auf dem Etzelberg lebte einst ein Einsiedler. Er hiess Meinrad und hatte sich zurückgezogen, da es ihm im Kloster Reichenau zu laut geworden war. Er sass da oben vor seiner Kapelle, las in einem Buch und sah herab auf den kristallblauen See.
Viele Leute hörten von seiner grossen Frömmigkeit und zogen hinauf. So konnte er Gott und der Jungfrau Maria nicht mehr so diesen, wie es sein sehnlichster Wunsch war. Als die Leute eines Tages auf den Berg zogen, war er verschwunden. Um sich seinen Gebeten zu widmen, zog er in die Wildnis. Unterwegs sah er in einer Tanne ein Nest, das ein Sperber umkreiste. Er jagte ihn davon und fand darin zwei junge Raben, die er mitnahm. Er ging weiter zu einer Quelle, die im finstern Walde entsprang. Dort baute er eine Hütte für sich und blieb fern von der Zivilisation. Er betete Tag und Nacht das Gebet, das ihm die fromme Äbtissin Hildegard von Zürich hatte zutragen lassen. Um die Hüte herum spielten die zwei Raben. Und wenn Nachts böse Winde auftraten, fürchtete er sich nicht. Die Engel eilten herbei und trösteten ihn.
Nachdem er vier Jahre in der Wildnis gelebt hatte, suchten ihn die Leute immer noch. Einst schlichen zwei Räuber herum, die in seiner Hütte Schätze zu finden hofften. Er hatte sie im Geist schon herannahen sehen. Als sie an seiner Hütte vorbei kamen, bewirtete er sie so gut er konnte. Sie überfielen ihn und schlugen ihn mit Keulen tot. Plötzlich fielen die beiden Raben über sie her und krächzten. Als sie die Kerze zu seinen Füssen anzünden wollten, brannte die von selber.
Der Schrecken packte sie, da sie erkannten, dass sie einen Heiligen ermordet hatten. Kurz entschlossen flohen sie. Hoch über den Tannen flatterten ihnen die Raben nach. Daran glaubend in Zürich sicher zu sein, flohen sie dorthin in eine Gaststube. Plötzlich schossen die beiden Raben durchs offene Fenster. Die anderen Gäste wurden misstrauisch und nahmen die beiden fest. Bald erkannte man in den Vögel die Raben des Heiligen im finstern Walde. Die Mörder gestanden ihre Untat und mussten sterben.
Den heiligen Meinrad begrub man an der Stelle, wo später das Kloster Einsiedeln gebaut wurde. Sein Herz wollte man ins Kloster Reichenau bringen. Als man mit dem Herzen an der Kapelle auf dem Etzelberg vorbeifahren wollte, brachte man den Wagen nicht mehr weiter, bis das Herz in Einsiedeln bestattet wurde.

 


 1638,    27  Jun  2016 ,   Zentralschweiz
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