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Verschiedenes

Ein aufwändiger Freund

In einer St. Galler Strafanstalt gehen einige Insassen seit 2008 in eine Eseltherapie. Der Direktor hat dafür extra ein Tier und eine Therapeutin angeschafft, die mit gewillten Häftlingen zusammenarbeiten. Und in der Schweiz gibt es zudem einige Bauernhöfe, die Eseltherapien für schwererziehbare Jugendliche anbieten. Dabei  sollen Patienten lernen, wie man soziale Kontakte aufbaut und diese auch über längere Zeit pflegt.

Die grauen Langohren sind nicht stur, faul oder dumm, sondern besitzen einfach nur einen äusserst starken Willen. Um ihnen Neues beizubringen, braucht es viel Zeit, viel Geduld und deshalb kommt man mit Druck oder Gewalt nicht weit. Man muss das Wesen des Tiers zuerst verstehen, ihm seine Ängste nehmen und dann von einer Aufgabe überzeugen - nur so funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Esel. Genau das soll die Eseltherapie bewirken: Patienten müssen mit dem Tier verschiedene Hindernis- und Geschicklichkeitsaufgaben bewältigen. Damit der graue Freund mitmacht, muss man zuerst sein Vertrauen gewinnen - ohne Gewalt, ohne Druck und nur mit viel Einfühlungsvermögen. Mit der Zeit lernen die Patienten so, sich auf eine soziale Bindung einzulassen und diese auch regelmässig zu pflegen. Therapeuten erhoffen sich davon eine Verbesserung der Empathie ihres Patienten, werden dabei aber oft auch von einigen Berufskollegen belächelt.

Diese Therapie ist ein passendes Beispiel, das zeigt, dass das Wesen des Esels im Volksmund oftmals falsch verstanden wird. Hat man den Esel einmal als Freund gewonnen, so ist er nämlich alles andere als stur. Der graue Vierbeiner kann erst bei vollem Vertrauen sein ganzes Potential ausschöpfen und seine loyale und absolut tolerante Seite zeigen.

Oliver Varga


 1868,    13  Feb  2018 ,   Verschiedenes
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