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Swiss House XXII

Davide Macullo wurde 1965 in Giornico geboren. Er studierte Architektur­ und Interior Design in der Schweiz und in Berkeley, USA. Von 1990 bis 2010 war er Projektleiter im Büro Mario Bottas und betreute über 200 Projekte weltweit. 2000 eröffnete er daneben ein eigenes Architekturbüro in Lugano. Zu seinen aufsehenerregendsten Bauten gehört neben den Tessiner Einfamilienhäusern der Campus der Jansen AG in Oberriet, das Waljong­Museum auf Jeju Island in Südkorea, das Elounda Beach Resort auf Kreta sowie Inneneinrichtungen wie die des Café­à­porter in Lugano.

von Gabrielle Boller

Wenn ein Kind ein Haus zeichnet, dann zeichnet es fast immer ein steiles Satteldach mit einem Kubus darunter. Ein Idealtypus für die Ewigkeit, auch wenn in der realen Welt inzwischen mehr Betonvillen mit Flachdächern als Knusperhäuschen zu sehen sind. Doch es gibt sie schon noch, diese Idealtypen, und zwar in sehr zeitgemässer Ausführung: So etwa wie das «Swiss House XXII», das der Tessiner Architekt Davide Macullo 2015 am Rande des Dorfkerns von Preonzo in der Talebene zwischen Bellinzona und Biasca gebaut hat. Besser gesagt sieht es wie eine Verdreifachung dieses Prototyps aus, denn das Einfamilienhaus zeigt eine Fassade in Form von drei leicht versetzt aneinandergereihten Giebelhäusern mit grossen Fenstern.

Diese Reduktion aufs Wesentliche, auf das, was letztendlich unbedingt zu einem Haus gehört, kommt nicht von ungefähr: Macullos Haus ist eine moderne Erweiterung eines der typischen regionalen Steinhäuser, in denen sich über Stall und Keller der per Aussentreppe erreichbare Wohnraum befand. Hier besteht der südliche Gebäudekörper aus dem alten Steinhaus, das mit seiner Struktur und seinem Volumen auch das Mass für die Umgestaltung vorgab. Bewegt man sich ums Haus herum, sieht man schnell, dass hier nicht einfach angebaut, sondern wohlkalkuliert verwinkelt und verschoben ineinandergepasst wurde, damit auch die hinteren Gebäudeteile Licht und Helligkeit erhalten. Die Südfassade zeigt sich demnach, ganz anders als die östliche, als raffiniertes Spiel von Volumina, gestaffelten Dächern und grossen Fensteröffnungen. Wie ehedem sind die Räume im Obergeschoss dort zusätzlich über Aussentreppen erreichbar, und auch die alte Steintreppe blieb, «als Gedächtnis und Zeuge», original erhalten. Im alten Gebäudeteil wurde die Zwischengeschossdecke aufgebrochen, sodass der Raum des grosszügigen Wohnzimmers nun bis zum First reicht, mit Fenstern, die hoch oben das Bergpanorama rahmen, dazu kommt ein offener Durchgang zur Essküche. Während das Innere ein fluides Raumkontinuum zeigt, bleibt das Äussere des Hauses von jeder Seite her betrachtet kompakt – gleich den alten Ställen durch einheitliche Farb­ und Materialwahl ein Monolith in der Landschaft. Vergleicht man Davide Macullos Haus mit den in der Nachbarschaft verbliebenen originalen Ställen, so erscheint es wie ein Zwilling, der sich zwischenzeitlich in die Stadt aufgemacht, seine Wurzeln aber nicht verloren oder vergessen hat und unverkennbar geblieben ist. «Architektur ist der Link zwischen der DNA einer Ortschaft und seiner Zukunft, aus der Ferne eine Form, aus der Nähe ein Wunder, im Inneren eine Welt», so erklärt Davide Macullo die Funktion eines Gebäudes. Seine oft minimalistischen Häuser sollen den Bewohnern dabei Hüllen sein, ein Mikrokosmos, der in Harmonie mit Mensch und Umgebung Geborgenheit vermittelt.


 48,    10  Apr  2017 ,   Design & Architektur
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