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Kultur & Feste

Die Gladiatoren der Schweiz

Nein, der rote Pass reicht bei weitem nicht, um sich als Eidgenosse zu bezeichnen. Dies tut nicht einmal ein Stammbaum, der die Blutlinie einer Schweizer Familie bis zu den hochadligen Kyburger zurückführt. Zumindest nicht, wenn es nach dem Fachjargon der Schwinger ginge. Denn in der Schwingszene ist nur Eidgenoss, wer um den Kranz am Eidgenössischen Schwingfest kämpft.

Schwingen gewinnt jährlich an Popularität und ist eine der traditionsreichsten Sportarten der Schweiz. In der Kathedrale in Lausanne zeigen Darstellungen aus dem 13. Jahrhundert bereits zwei kämpfende Männer mit der typischen Haltung der heutigen Schwinger, der „Hosenlupf“ war schon in der mittelalterlichen Zeit ein fester Bestandteil der Festkultur und als die Schweiz Anfangs des 19. Jahrhunderts unter französischer Fremdenherrschaft stand, haben die Eidgenossen geschwungen, um das Schweizer Nationalbewusstsein zu stärken. Die Alpengladiatoren wurden zeitweise sogar bereits im Kindesalter auf das Maiensäss geschleppt, um sie auf spätere Wettkämpfe vorzubereiten. Krafttraining und Technik standen im Mittelpunkt. In bestimmten Regionen entwickelten die Kämpfer sogar eigene Schwingstile, um sich einen Vorteil in der Arena zu schaffen. Und nicht selten stiegen die Knaben als muskulöse, durchtrainierte und angsteinflössende Hünen wieder ins Tal hinab, um das Gelernte in die Praxis umzusetzen.

Es ist also nur die logische Folge, dass bereits 1895 das erste Eidgenössische Schwingfest stattfand, wo sich der Gewinner Schwingerkönig und somit bester Schwinger des Landes nennen durfte. Und diese Tradition wird auch heute noch gelebt und ist Kult: Alle drei Jahre organisiert ein anderer Schwingverband den nationalen Anlass, der sich über eine stetig wachsende Fangemeinde freuen darf. Schwingen, die wahrscheinlich ideale Vereinigung von Tradition und Sport.

Oliver Varga


 2248,    13  Feb  2018 ,   Kultur & Feste
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