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Design & Architektur

Designer: Fritz Haller

USM Haller Systemmöbel

Fritz Haller wurde 1924 in Solothurn geboren, absolvierte eine Schreinerlehre und eine Ausbildung zum Bauzeichner. Nach einem Studienaufenthalt in Rotterdam gründete er zusammen mit seinem vater in Solothurn ein eigenes Architekturbüro. 1968 erhielt er eine Gastprofessur an der University of Southern California in Los Angeles und von 1977 bis 1992 leitete er als Professor ein Institut für Baugestaltung an der Universität Karlsruhe. 2012 starb er in Solothurn. Zu seinen wichtigsten Bauten zählen die Kantonsschule in Baden, die HTL Brugg-Windisch und das SBB-Ausbildungszentrum Loewenberg.

von Gabrielle Boller

Vor diesen Möbeln gibt es kein Entrinnen – jedes Büro, das auf sich hält, jede Arztpraxis, Anwaltskanzlei und jede gehobene Amtsstube zeigt zumindest ein Sideboard, wenn nicht gleich das ganze Mobiliar, im klassisch strengen Look von USM Haller. Falsch machen kann man mit dem Möbelsystem aber auch im Eigenheim nichts, denn edel und diskret, formschön und schlicht passt so ein Büchergestell aus Stahlrohren und pulverbeschichteten Seitenteilen, in kräftigen Farben oder schwarz-weiss, zu fast jedem Einrichtungsstil. Das modulare System mit dem kugelförmigen Verbindungsteil, mit dem sich Regale und Schränke in schier unendlichen Varianten zusammenstellen lassen, kommt modernen Nomaden sehr zupass, denn die robusten Stücke überstehen auch den zehnten Umzug schadlos und lassen sich immer wieder in anderer Kombination aufstellen. Selbst Elemente aus den frühen sechziger Jahren sind heute noch problemlos mit neuen Teilen zu ergänzen, sodass man theoretisch von der Studentenmansarde bis in die Zwölfzimmervilla stetig an seinen Regalen weiterbauen könnte. Hauptsächlich im Bürobereich aber sind die Systeme von USM Haller wie eine Art Möbel-Esperanto international so etabliert, dass man sie eigentlich kaum mehr wirklich wahrnimmt, man registriert vielleicht ihre Anwesenheit in Räumen, die durch sie ein bisschen nobilitiert werden, doch nähere Betrachtung wird ihnen selten zuteil, sie sind wie selbstverständlich einfach da – und womöglich ist das ganz im Sinne der Entwickler. Denn die formale Schönheit des Designs erschliesst sich aus der Strenge rationaler Ordnungsprinzipien; eine Schönheit.

USM, die Firma Ulrich Schärer in Münsingen, wurde 1885 als Metallwarenfabrik gegründet. 1961 beauftragte der Enkel des Gründers, Paul Schärer, den Solothurner Architekten Fritz Haller mit dem Bau eines neuen Firmengebäudes. Dieses Gebäude gestaltete Haller auf der Basis eines modularen Konstruktionsprinzips, bei dem identische geometrische Baukörper aneinandergereiht wurden – ein Rastersystem für den Stahlskelettbau, das als «Mini», «Midi» und «Maxi» auf Bauten verschiedener Grösse anwendbar war. Auf demselben Prinzip konstruktiver Logik baut auch das neue flexible Möbelsystem auf, das Haller und Schärer zwei Jahre später auf den Markt brachten – Möbel aus dem Baukasten, die mit ihren tragenden Elementen und Fassaden gleichsam wie Gebäude wirken, oder wie Kunstwerke – denn Fritz Haller bewegte sich als Pionier der industriellen Bauweise mit seinen theoretischen Schriften und seinen über hundert ausgeführten Bauten an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Technik. Er entwickelte ein Softwaresystem für Architekten und suchte nach neuen Lösungen für ein Bauen der Zukunft, das ihn bis zu futuristischen Visionen urbaner Metropolen oder Modellen für interstellare Städte und Weltraumkolonien führte.


 2033,    29  Feb  2016 ,   Design & Architektur
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