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Design & Architektur

Architekten: Diener & Diener

Schweizerische Botschaft in Berlin

Roger Diener, geboren 1950 in Basel, studierte von 1970 bis 1975 Architektur an der eTH in Zürich und trat danach in das Architekturbüro seines Vaters Marcus Diener ein. Seit 1980 leitet er als Teilhaber das nun «Diener & Diener Architekten» genannte Büro. er war unter anderem Gastdozent an der Harvard University in Cambridge und erhielt 1999 eine Professur für Architektur an der eTH Zürich. Diener & Diener wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Zu den bekanntesten Bauten gehören: der Umbau der Universität Malmö, der Novartiscampus Forum 3 in Basel, das Stadtmuseum Schlössli in Aarau und der Mobimo-Tower in Zürich.

von Gabrielle Boller

Allzu charmant waren die Bezeichnungen nicht, mit denen der Neubau der schweizerischen Botschaft in Berlin nach der Eröffnung 2001 bedacht wurde – von «Kiste» oder «Bunker» war da in Bezug auf den schmucklosen Betonkubus oft die Rede, puritanisch oder gar calvinistischasketisch sei seine Anmutung. Gefällig ist der strenge Bau der Architekten Diener & Diener nun gewiss nicht, doch dergleichen ist Sache von Roger Diener, der seit 1980 das von seinem Vater gegründete Architekturbüro führt, ohnehin nicht. Er zelebriert vielmehr eine aufs Minimum reduzierte Architektur, so archaisch-schlicht, dass sich der Verzicht auf jegliches Dekor schon fast wieder wie eine heroische Geste ausnimmt, gerade in der direkten Nachbarschaft von Kanzleramt und Reichtagsgebäude im Berliner Regierungsviertel, wo mit lichten Säulenarkaden und schimmernder Glaskuppel der architektonischen Transparenz gehuldigt wird. Der Entwurf von Diener & Diener gewann den 1995 ausgeschriebenen Wettbewerb zum Neu- und Umbau des geschichtsträchtigen Botschaftsgebäudes im inneren Spreebogen, das als einziger Bau des Viertels die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs mehrheitlich unbeschadet überstanden hat. Die klassizistische Gründerzeitvilla blieb als isoliertes städtebauliches Fragment stehen, seitlich von zwei Brandmauern zu verloren gegangenen Gebäuden begrenzt. Auf der Ostseite ergänzten Diener & Diener das Baudenkmal mit einem trotzig-spröden Betonblock, der im Stil der rationalen Moderne und feinkörnig-sandgestrahlter Aussenhaut auf die Form und die klassische Ordnung der Fassadengestaltung des Stadtpalais antwortet. Wie oft bei den Gebäuden von Diener & Diener ist auch hier der eigenwillige Rhythmus der wie ausgestanzt wirkenden Fensteröffnungen das beinahe einzige gestaltende Element am minimalistischen Bau. Fast – denn auf der gegenüberliegenden Seite des alten Palais wurde die verbliebene Brandmauer vom Künstler Helmut Federle in Zusammenarbeit mit den Architekten zu einem monumentalen Relief umgestaltet, das in seiner plastischen Durchformung zusammen mit dem neuen Anbau das sorgfältig restaurierte vorhandenen Gebäude als eine Art skulpturale Klammer ummantelt.

Wie selbstverständlich soll die Architektur von Diener & Diener wirken, vor allem auch wenn sie an Bestehendes anschliesst: «Es geht nicht um eine mimetische Form des Neuen oder um eine Angleichung an das Alte. Es geht vielmehr um kompositorische Aspekte, um den Anspruch, ein Gefüge von Neu und Alt so zu gestalten, dass der Bestand seine prägende Identität auch als Teil der neuen, grösseren Komposition zu entfalten vermag», so Roger Diener. Architektur, die Bedeutung durch ihre Einfachheit erlangt, wird zum Aufmerksamkeitskatalysator für die umgebenden Gebäude und zur perfekten Bühne für die Bewohner – was einst auch das erste und einzige Schweizer Glamour-Botschafterpaar Borer-Fielding in Berlin zu schätzen und zu nutzen wusste.


 1642,    29  Feb  2016 ,   Design & Architektur
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