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Design & Architektur

Satztisch «DS-9400»

Stefan Zwicky (*1952) studierte Innenarchitektur an der Kunstgewerbeschule Zürich, wo er 1978 sein Diplom bei Willy Guhl machte. Er arbeitete unter anderem bei Robert und Trix Haussmann, bevor er 1983 sein eigenes Büro in Zürich eröffnete. Als Designer entwarf er Möbel und Lampen für Firmen wie de Sede, Wogg oder Röthlisberger und gestaltete Innenräume wie etwa für die Confiserie Sprüngli in Zürich. Er war Gastdozent an der Fachhochschule Düsseldorf und Redaktor bei «archithese» und «Werk, Bauen und Wohnen» sowie Herausgeber des «Schweizer Möbellexikons». 2005 gründete er die Designplattform «Neue Räume» in Zürich.

von Gabrielle Boller

Satztische waren einmal eine prima Idee, um platzsparend stets eine kleine Kollektion von verschieden grossen Tischchen zur Hand zu haben. Man kann die in der Grösse abnehmenden Beistelltische ineinanderschieben und bei Bedarf in den Raum fächern oder einzeln neben Sofa und Sessel stellen, um darauf seine Feierabendcocktails formvollendet zu platzieren. Ihren wirklich grossen Auftritt hatten sie im Bauhaus: mit ihren je nach Wunsch modulierbaren Ablageflächen entsprachen sie dem zeittypisch raumökonomischen Denken geradezu perfekt. Zudem spielten die Klassiker von Josef Albers und Marcel Breuer mit Farben und Materialien, waren bunt und setzten Akzente im durchstrukturierten Raumkonzept. Danach aber war es irgendwie vorbei mit den pfiffigen Möbelstücken, und Satztische wurden als gleichgeschaltete Stapelware zum Synonym von gepflegter Langeweile im gehobenen Wohnbereich. Dass hier Potenzial brachlag, musste Stefan Zwicky aufgefallen sein, als er 1987 die Satztischreihe mit dem Namen «DS9400» entwickelte. Nicht in der Farbe, sondern in der Form unterscheiden sich die drei Tischchen, die, als gäbe es nichts Selbstverständlicheres, Tischblätter in den geometrischen Grundformen Kreis, Quadrat und Dreieck zeigen. Aus massiver Eiche gefertigt, lassen sie sich selbstredend kompakt ineinanderschieben und unter dem quadratischen Tisch verstauen, haben aber in lockerer Formation nebeneinandergestellt zusätzliche dekorative Qualitäten und inspirieren zu einem spielerischen Umgang. Auch im Fussgestell die Form des Tischblatts aufnehmend, zeigen sich die Tischchen objekthaft und lassen sich zu skulpturalen Gruppen arrangieren, die in ihrer doch so radikal klaren Sprache plötzlich Ahnungen von wundersam exotischen Mustern aufkommen lassen. Das ein klein wenig Schelmische glaubt man auch in anderen Stücken von Stefan Zwicky erkennen zu können – bei dem von Gummibändern zusammengehaltenen Leuchtenpäckchen «Parcel» zum Beispiel, oder allem voran natürlich in «Grand confort. Sans confort». Das Zwitterding zwischen Möbel und Skulptur nimmt in armiertem Beton die Form des bekannten LeCorbusierSessels auf: Eine Hommage an den grossen Architekten und, vielleicht, auch an den schnittigen Gartensessel seines Lehrers Willy Guhl. Bei ihm studierte Stefan Zwicky Innenarchitektur, einen Bereich, den er heute mit seinem puristischen Stil massgeblich prägt, vielerorts präsent in Räumen von ebenso lichter Klarheit wie edler Noblesse. Ein Beispiel ist das kleine Teecafé Schwarzenbach im Zürcher Niederdorf, in dem man auf sattorangen Plüschbänken wie in den Windungen eines Schneckenhauses sitzt. Kühle Eleganz, schnörkellos in Form und Linie, doch erwärmt von einem Hauch Kaffeehausschmäh in Marmor und Samt – da glänzt sie rein und pur, die Tradition der Moderne, und ist doch etwas fürs Gemüt.


 1391,    24  Mai  2017 ,   Design & Architektur
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