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Design & Architektur

Ovaltisch

Theodor (Teo) Jakob, geboren 1923 in Bern, hat nach einem Welschlandaufenthalt eine Handwerkerlehre absolviert, die er 1947 in Bern mit dem Diplom als Tapeziermeister-Dekorateur abschloss. 1950 übernahm er das 1914 gegründete Polster- und Tapeziergeschäft seines Vaters an der Gerechtigkeitsgasse in Bern. Mit Design aus Skandinavien und Italien sowie mit Bauhaus-Klassikern ging er neue Wege und leistete Pionierarbeit im Bereich moderner Wohnkultur; 1968 eröffnete er die erste «Wohnshop»Filiale für ein jüngeres Publikum. Der Kunstmäzen und Förderer von Schweizer Design ist 2000 gestorben.

von Gabrielle Boller

So stellt man sich einen Tisch vor, an dem Konzernchefs Verträge von weitreichender Bedeutung verhandeln, oder an dem sich die gesamte Verwandtschaft einer weitverzweigten Grossfamilie zum Weihnachtsessen zusammenfindet – Platz ist jedenfalls genug vorhanden, mit drei Einlageplatten lässt sich der Ovaltisch auf eine Fläche von 3,65 × 1,25 Metern ausziehen, was natürlich gewisse Ansprüche an die Zimmergrösse stellt. Das Möbelstück, das der Wohnkulturpionier Teo Jakob 1977 für die erste Röthlisberger Kollektion entworfen hat, ist aber auch kein luftiges Leichtgewicht für oft Umziehende, sondern zeigt vielmehr die Urqualität eines Tisches – er ist einer von der Sorte, die unangefochten im Zentrum stehen und um die herum man sich schon immer in allen möglichen Lebenslagen gerne versammelt hat, ein sicherer Ankerpunkt in stürmischen Zeiten. Mit seinem Mahagonitischblatt, massiv oder sternförmig furniert, und seinem ebenfalls massiven, in der plastischen Durchgestaltung an eine antike Kannelierung erinnernden Säulenfuss ist er ein Bekenntnis zum Duft von Möbelpolitur und zu zeitloser Eleganz – ein Stück für die Ewigkeit, oder zumindest die halbe. Anspruchsvolles Design, wie er es mit diesem Solitärstück für Röthlisberger entworfen hat, war Teo Jakob auch in seinem Berner Möbelgeschäft ein Anliegen – er gestaltete die von seinem Vater übernommene Polsterwerkstatt um in einen Laden für gehobenen modernen Wohnbedarf, änderte seinen etwas betulichen Vornamen Theodor um ins schnittige Teo und liess sich seinen Namenszug vom Grafiker Alfred Hablützel als griffiges rotes Logo in Kleinbuchstaben und Helveticaschrift gestalten.

Damals begann auch seine Zusammenarbeit mit jungen Schweizer Designern wie Hans Eichenberger, Robert Haussmann und Kurt Thut, mit denen er zum Zweck besserer Vermarktung der eigenen Entwürfe die Kollektion «Swiss Design» begründete. 1955 wurde der neue, von Kurt Thut gestaltete Ausstellungsraum an der Gerechtigkeitsgasse 25 in Bern eröffnet, wo sich – neben zehn weiteren Filialen von Genf bis Zürich – heute noch der Hauptsitz der Firma befindet. In der quirligen Berner Kunstszene der Fünfziger- und Sechzigerjahre wurde der Ort, den als «Möbelgeschäft» zu bezeichnen der Sache nicht gerecht wird, zum Treffpunkt der Bohemiens und Künstler von Meret Oppenheim bis Bernhard Luginbühl. Nah waren auch die Galerie Toni Gerber und das Restaurant Commerce, wo sich die Kunst- und Designszene mischte und Teo Jakob mittendrin agierte, Freundschaften schloss, Plakate von Künstlern gestalten liess und sich nach und nach auch eine umfangreiche Kunstsammlung mit regionalem Schwerpunkt aufbaute. So kennt man den Designer Teo Jakob, der seine Firma 1992 an sein Management verkaufte und so ihren Weiterbestand sicherte, auch hauptsächlich in seiner Funktion als Förderer, Vermittler und Wegbereiter moderner Wohnkultur in der Schweiz, der, avantgardistischen Ideen zugetan, den plüschigen Mief aus den bürgerlichen Stuben vertrieb.


  Möbel , Bern
 2270,    01  Sep  2016 ,   Design & Architektur

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