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Design & Architektur

Lampe «Luna»

Alfred Hablützel wurde 1931 in Vaucresson bei Paris geboren. Nach dem Umzug der Familie nach Zürich absolvierte er 1947 eine Lehre als Dekorateur und Tapezierer und besuchte die Fachklasse für Innenausbau an der Kunstgewerbeschule in Zürich. 1951 zog Alfred Hablützel nach Bern und arbeitete als Innenarchitekt, Fotograf und Grafiker für das Möbelhaus Teo Jakob. In den 1960er-Jahren gründete er eine Werbeagentur, wurde Redaktor von «Interieur» und Produkteentwickler bei Strässle in Kirchberg. 1991 erhielt der heute wieder in Frankreich lebende Hablützel für sein Engagement den «Design Preis Schweiz». Der kleine private Mond im Wohnzimmer – Alfred Hablützels vom Bauhaus inspirierte Lampe «Luna».

von Gabrielle Boller

Vielleicht kennen Sie die alte Badezimmer-Standardbeleuchtung noch, diese Milchglaskugeln, die, vor der flächendeckenden Einführung der neonbeleuchteten Spiegelschränke, zur morgendlichen und abendlichen Stunde ihr mildes Licht im Bad verbreiteten. Von solch schlichten Leuchten liess sich Alfred Hablützel 1957 inspirieren, als er die Tischlampe «Luna» designte, einen kugelrunden Ball aus weissem satiniertem Glas, gehalten von einem einfachen dreibeinigen Gestell mit umlaufendem Ring aus verchromtem Messing.

«Luna», der kleine Vollmond fürs Wohnzimmer, der jeden Abend ganz privat aufgeht, verströmt heute in einer edlen Neuauflage wieder sein weiches Licht – ursprünglich war die Lampe aber so etwas wie ein Recyclingprodukt. Alfred Hablützel, der zur Aufbruchszeit der Berner Designerszene bei Innenausstatter Teo Jakob tätig war – unter anderem gestaltete er den markanten roten Schriftzug des Geschäftslogos –, bemerkte, dass in den Fünfzigerjahren nicht nur in den Badezimmern, sondern auch in vielen Fluren und Geschäftsräumen die kugel- und halbkugelförmigen Deckenbeleuchtungen zugunsten modernerer Leuchtmittel entsorgt wurden. Die klassische Kugellampe in der Bauhaus-Tradition wurde zum Auslaufmodell – viel zu schade für so ein überzeugendes, puristisches Design, dachte sich Hablützel wohl und entwickelte die Idee, aus den ehemaligen Deckenlampen eine neue Tisch- oder Bodenlichtquelle in der tradierten Formensprache zu schaffen. Der befreundete Eisenplastiker Bernhard Luginbühl lötete um eine aufgefundene Altglaslampe ein erstes Gestell aus Eisen in kruder Form – fertig war der Prototyp der «Luna»-Lampe, die mit ihrer Dreibeinhalterung auch ein wenig an einen Alambic im alchemistischen Werkstübchen erinnert, ein Destilliergefäss mit rundem Boden, das in eine einfache Halterung gesetzt wurde. Aus dem «Objet trouvé» entstand eine Lampenserie – in drei verschiedenen Grössen wird die Leuchte hergestellt, die ein erzählerisches Moment mit der klaren Sprache der Moderne verbindet, bei einer klassischen Form Anleihen aufnimmt und gleichzeitig die spielerischen Lampenmodelle anklingen lässt, die in den Siebzigerjahren im Zuge der Pop-Art die Designszene erobern sollten.

Die Leuchte «Luna» steht in Alfred Hablützels Werk eher als Solitär da – hauptsächlich bekannt ist er für seine grafischen und fotografischen Arbeiten, mit denen er im Umfeld von Hans Eichenberger, Kurt Thut und Robert Haussmann dazu beitrug, dem «Swiss Design » sein bis heute gültiges Profil einer schnörkellosen Moderne zu verleihen. Alfred Hablützel ist als Grafiker, Publizist, Ausstellungsmacher und Werber zu einer Art Botschafter der «Guten Form» geworden – er inszenierte und fotografierte Möbel und Objekte stets in so stilvoller Nüchternheit, dass sie zu zeitlosen Ikonen der Sachlichkeit werden konnten.


 1963,    01  Sep  2016 ,   Design & Architektur
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