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Design & Architektur

Hotel Belvoir Rüschlikon

Pieter van der Meer, Yassir Osman und Beat Küttel erwarben ihr Architekturdiplom nach einem Studium an der ETH Zürich. Sie bilden zusammen die Moka Architekten AG, die 2008 aus dem Architekturbüro Kaufmann, van der Meer und Partner AG hervorgegangen ist, bei der die drei Partner bereits zusammen wirkten. Seit 1993 sind über hundert Projekte in der Schweiz, Europa und Übersee entstanden, darunter viele Wohn- und Büroüberbauungen speziell in ehemaligen Industriequartieren wie dem Sulzer- und dem Steinfels-Areal in Winterthur und Zürich. Das «Belvoir» ist ihr erster Hotelbau. Architektur aus der Schweiz Zur Seeseite hin transparent: Das Hotel Belvoir macht seinem Namen Ehre und feiert mit seiner Architektur den Ausblick.

von Gabrielle Boller

Alte Hotels beherbergen in ihren Mauern mit gewissem Stolz einen grossen Erinnerungsschatz – Glanz, Elend, Komödien, Tragödien, Sie wissen schon – doch auch ein blitzneues Hotelgebäude kann, an der richtigen Stelle und mit Gespür für den Ort errichtet, ein gerüttelt Mass an Geschichte aufzeigen. So wie das Hotel Belvoir in Rüschlikon, konzipiert vom Zürcher Architekturbüro Moka und 2011 neu eröffnet, das an bevorzugter Lage am linken Zürichseeufer anstelle eines Vorgängerbaus aus den 1970er-Jahren errichtet wurde. Dieser ersetzte seinerseits ein Hotel im repräsentativen Heimatstil, dessen Tradition als Kurund Gästehaus bis auf ein hier im 18. Jahrhundert erbautes «Lusthaus Belvoir» zurückreicht. Doch die Hotelgeschichte ist noch nicht alles, denn in der lieblichen Landschaft gibt es noch einiges mehr an Vergangenem zu entdecken. Dazu denkt man sich die Zivilisation für einmal weg und begibt sich zurück in die Eiszeit, als der Linthgletscher das Seebecken mit gewaltigen Kräften formte. Der Gletscherfluss mit seinen im Gelände deutlich erkennbaren Spuren inspirierte denn auch die Architekten zu ihrem Entwurf für das Hotel Belvoir, das just an der Kante des abschüssigen Geländes eines Moränenhügels steht. Drei polygonale Baukörper, drei «Schollen», wurden auf Teile der Grundfesten des Vorgängerbaus gebaut und stehen so zueinander in Beziehung, dass sie den Eindruck von tektonischen Geschiebeverlagerungen beim Wirken von Naturkräften erwecken. Am besten ist das beim Blick aufs Dach erkennbar, das mit seinen drei versetzten Schrägen wie ein Echo auf die vorgefundene Topografie wirkt. Auch im Innenraum kommt die Metapher der Verwerfungen und Verschiebungen zum Tragen, wenn tiefe Einschnitte und Fugen mehr wie Gletscherspalten denn wie konventionelle Lichthöfe das Tageslicht in die Räume leiten. Dann ist es aber gut mit den urzeitlichen Allusionen, denn gegen die Seeseite hin öffnet sich das Gebäude in vollkommener Transparenz, lässt die Landschaft und dank geknickter Fassade auch die Morgensonne in die Zimmer fluten. Hier zeigen sich über einem massiven Sockelgeschoss sowohl die leicht zurückversetzte Eingangsebene wie auch das Obergeschoss mit seiner Anmutung von luftigen HolzLoggien als die Aussicht feiernde Fensterfronten, während das Gebäude auf der seeabgewandten Seite als eine im Prinzip klassisch gestaltete, zweiflügelige Anlage mit Eingang im sogenannten Ehrenhof zu erkennen ist.

Zwei lokale Geschichtsstränge bündeln also die Architekten Pieter van der Meer, Yassir Osman und Beat Küttel von Moka im neuen Hotel Belvoir und zeigen damit, dass auch einer funktional ausgerichteten Architektur erzählerische Momente gut anstehen können, wenn diese den Bezug zum Ort definieren. Die Aufnahme der Geschichte ist das Extra, das der mit klaren Formen und sorgfältig abgestimmten Materialien das Innen und Aussen verzahnende Bau seinen Gästen bietet, um die Hauptattraktion, den grandiosen Ausblick, noch besser zu rahmen.


 2572,    12  Apr  2016 ,   Design & Architektur

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