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Design & Architektur

«Etage»

Moritz Schmid, geboren 1976, absolvierte eine Hochbauzeichnerlehre und ein Studium des Design an der Kunsthochschule in Basel. Bevor er 2008 sein eigenes Büro in Zürich gründete, arbeitete er vier Jahre im Studio von Alfredo Häberli. Er ist sowohl im Bereich von Möbel- und Produktdesign, oft in Zusammenarbeit mit verschiedenen spezialisierten Firmen, als auch der Ausstellungsarchitektur tätig. Für seine Entwürfe wurde er drei Mal mit dem Swiss Federal Design Award ausgezeichnet; für «Etage» erhielt er 2013 den Design Preis Schweiz.

von Gabrielle Boller

Als Regal mag man das eigenwillige Möbelstück des Berner Designers Moritz Schmid nicht wirklich bezeichnen, auch wenn es das vom Typus her eigentlich ist: ein Gestell mit verschiedenen Ablageflächen. Also nennen wir es einmal «Behältnismöbel», denn es erinnert ein wenig an die schönen alten Spanschachteln, in denen man früher seine kleinen Kostbarkeiten aufbewahrt hat. Anders als die üblichen Regale ist «Etage» oval; es macht von allen Seiten aus betrachtet etwas her und hat insgesamt vier an den Längs- und Schmalseiten angebrachte Stützen. Der Clou aber ist eine verschiebbare Hülle aus leichtem, gebogenem Eichenfurnier. Diese schicke Rundumhülle lässt sich an den vier Stützen rauf und runter schieben, sodass man nach Bedarf immer eine Etage des zwei- oder dreigeschossigen Möbels den Blicken entziehen kann. Unter Umständen ist so etwas ja sehr praktisch – man präsentiert oder versteckt nach Bedarf und kann eine kleinere Unordnung kurz mal verschwinden lassen. Die Schiebe-Schachtel hat einen handlichen Holzgriff, mit dem man sie über fein eingepasste, sehr präsentable Gleitschienen aus Arura Vermelho-Holz bewegen kann. Zur Ausstattung gehören weiter kleine Zwischentablare und skulpturale Bücherstützen, die auch ganz alleine und nur für sich sehr hübsch aussehen. «Etage», 2012 designt und bei Röthlisberger produziert, erinnert als eine Art multifunktionale Etagere an die filigrane Leichtigkeit der Möbel der Fünfzigerjahre, die Licht, Luft und Transparenz in die plüschige Wuchtigkeit stickiger Interieurs bringen wollten. Auch das Farbkonzept erinnert an die damals buntere Wohnwelt, ein bisschen noch inspiriert vom Bauhaus: «Etage» gibt es nicht nur in Eiche Natur, sondern auch mit edel seidenmatter Lackierung in elegantem Aubergine. So wird die, sagen wir jetzt doch: Holzvitrine selbst zum Ausstellungsstück, während sie ihren Inhalt optimal und formschön präsentiert oder stilvoll verbirgt.

Moritz Schmid ist ein Vertreter jener jungen Schweizer Designergeneration, die Materialien, Möbel und Gegenstände des täglichen Gebrauchs aus ihrem traditionellen Umfeld herauslösen und frisch überdenken. Nicht durch spektakuläre Überhöhung, sondern durch schweifendes Assoziieren und eine eingehende Beschäftigung mit den eigentlichen, auch emotionalen Eigenschaften eines Materials wie Holz oder Glas, erhalten bei Moritz Schmid altbekannte Dinge einen neuen Twist. So etwa ein Glasregal, das, als Typus bis heute mit dem erstarrten, kühl-glamourösen Denver-Pomp der Achtzigerjahre in Verbindung gebracht und ein bisschen verpönt, nun in der Verbindung mit Holz neue Sanftheit und Lockerheit erlangt. Oder Figuren aus Ahornholz, die auf Anhieb irgendwie an pädagogisch wertvolles Spielzeug erinnern, dann aber gleichzeitig auch an moderne Plastik und mühelos den Spagat zwischen Tradition, Moderne und Gegenwart schaffen.


 2165,    10  Apr  2017 ,   Design & Architektur
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