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Design & Architektur

Designer: Atelier Oï

Die Leuchte «Plus»

Nachdem Aurel Aebi (*1966), Armand Louis (*1966) und Patrick Reymond (*1962) am Ende ihres Architekturstudiums an der EAAL in Lausanne schon gemeinsam einen Wettbewerb gewonnen hatten, schlossen sie sich 1991 zusammen und gründeten in La Neuveville im Berner Jura das Atelier Oï. Seit 2009 arbeiten sie mit über 35 Mitarbeitern an Projekten für Ikea, Louis Vuitton, Swatch Group bis hin zur einer neuen Museumsszenografie im Schloss Thun. Das Designstudio hat sich durch internationale Projekte in den Bereichen Architektur, Stadtplanung, Ausstellungsgestaltung, Möbel- und Produktedesign etabliert.

von Gabrielle Boller

Eine kreative «Undiszipliniertheit» wurde ihnen schon attestiert – und tatsächlich, wenn man sich die Arbeiten des Westschweizer Designerkollektivs Atelier Oï ansieht, scheinen viele der üblichen Grenzziehungen für sie keine Gültigkeit zu haben. Es fängt damit an, dass die drei Akteure des Gespanns – Aurel Aebi, Patrick Reymond und Armand Louis, zwei Architekten und ein gelernter Bootsbauer – abwechselnd in den Sparten Architektur, Design, Szenografie und Innenarchitektur tätig  sind. Es führt über die Vielzahl der verwendeten Materialien bis hin zu der Unbekümmertheit, mit der sie sich im weiten Feld gestalterischer Möglichkeiten bewegen und sich die Freiheit herausnehmen, vom zwangsläufig ephemeren Vogelhäuschen aus Vogelfutter bis zum kostbaren Parfümflacon für eine Nobelmarke an alles Mögliche Hand anzulegen. Ihre Arbeitsmethode gleicht einem spielerischen Experimentieren, wobei zu Beginn stets die intensive Beschäftigung mit dem Material steht. Inspiration kann dabei Vieles sein – eine Fotografie von Wassertropfen beispielsweise führte sie zur Form der ovalen Dächer der Pavillons der Arteplage Neuchâtel an der «Expo 02», die Geschmeidigkeit und freie Formbarkeit einer Kordel regte sie dazu an, aus einem roten Seil die Szenografie einer Ausstellung und fadenspulartig umgarnte Hocker zu gestalten, aus einem aufgefächerten und in Pilzform geschnittenen Buch formten sie die Silhouette einer Lampe.

Es sei eine Art «Denken mit den Händen », umschreiben sie selbst ihr Vorgehen, ein Prozess, bei dem unentwegt neue Formen entstehen und in jeder bereits die Keimzelle für eine nächste gelegt ist. Archiviert wird das alles in einer umfangreichen Materialbibliothek – oft taucht denn auch ein Motiv in veränderter Form wieder auf oder ein Thema erscheint in unterschiedlichen Spielarten durchdekliniert, adaptiert an die Bedürfnisse der jeweiligen Projekte. So auch bei der Möbelkollektion «Plus», die in ihrer Anmutung an die lichte Transparenz eines jungen Wäldchens erinnert und ab 2005 für Röthlisberger entstanden ist: Eine Leuchte mit einem fast schwebend eingebauten Lichtkörper, die sich zu Kelch, Säule oder Kegel formen lässt, eine Sitzbank, die durch Umklappen der Beine zum Couchtisch wird, und ein Paravent, der gleichzeitig flexibler Sichtschutz und Garderobe ist. Gefertigt sind die drei Möbelstücke aus verleimten und gespannten Eschenholzlamellen, eine Konstruktionsidee, aus der schliesslich eine ganze Serie unterschiedlichster Entwürfe entstand, vom urbanen Mobiliar über Brücken und Dachkonstruktionen bis hin zu Elementen einer Kirchenrestaurierung. Zielloses Improvisieren könne die schnellere Entwurfsmethode sein als das systematische Analysieren von Aufgaben und Problemstellungen, erklären die Designer, deren Name sich übrigens von der «Troika», dem klassischen Dreigespann, ableitet – und so entstehen Dinge, die nie dem immer schon Erwarteten entsprechen, sondern manchmal fast wie aus einer Märchenwelt in den Alltag purzeln.


 1912,    23  Feb  2016 ,   Design & Architektur
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