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Design & Architektur

Architekten: Herzog & de Meuron

Die Elbphilharmonie

Jacques Herzog und Pierre de Meuron, beide 1950 in Basel geboren, absolvierten gleichzeitig ihr Architekturstudium an der ETH Zürich und gründeten 1978 zusammen das Architekturbüro Herzog & de Meuron an der Basler Rheinschanze. Internationale Anerkennung erlangten sie 1999 mit dem Erweiterungsbau der Londoner Tate Gallery. Heute beschäftigen Herzog & de Meuron 330 Mitarbeiter in Basel und weltweiten Zweigstellen. Ihre bekanntesten Bauwerke: das Stadion St.-Jakob-Park in Basel, die Allianz-Arena in München, das Nationalstadion in Peking, das Prada Aoyama Epicenter in Tokio und das Vitra-Haus in Weil am Rhein.

von Gabrielle Boller

Eine schaumgekrönte Welle, die Spitze eines Eisbergs oder ein im Sonnenlicht glitzernder Kristall – solche Assoziationen gehen einem beim Anblick der Elbphilharmonie in der Hamburger Hafen-City unweigerlich durch den Kopf. Denn aufsehenerregender Blickfang des Bauwerks der Basler Architekten Herzog & de Meuron ist ein gigantischer Glaskörper, der sich in kühnem Gewoge über dem als Fundament dienenden alten Kaispeicher A erhebt – ein wuchtiges Backsteingebäude aus den 1960er Jahren, in dem früher Tee, Kakao und Tabak gelagert wurden. 1100 Glasscheiben, individuell mit einem Punkteraster beschichtet und gebogen, bilden eine schimmernde Hülle, die nicht nur schön anzusehen ist, sondern auch sehr funktional die Sonneneinstrahlung reguliert und heftigsten Stürmen trotzt.

Im Innern des Glaskomplexes finden sich neben drei Konzertsälen, einem Hotel, Restaurant und exklusiven Wohnungen auch die über eine raffiniert geführte futuristische Rolltreppe erreichbare Plaza, ein dem Publikum stets zugänglicher öffentlicher Platz mit Panoramaausblick hoch über dem Hamburger Hafen. Steht man davor, erhebt sich das an seiner höchsten Spitze 110 Meter hohe Gebäude wie ein Gebirgsmassiv – wahrlich ein Gebäude der Superlative, das modernste Ingenieursleistungen mit einem Quäntchen historischer Fassade verbindet und wie eine Trutzburg den Eingang zur Stadt markiert. Kein Wunder, dass es schon seit Baubeginn als neues Wahrzeichen Hamburgs gehandelt wird. Das alles tönt nicht gerade nach schweizerischer Zurückhaltung – und tatsächlich agieren Jacques Herzog und Pierre de Meuron mit ihrer Vorliebe für urbane Grossprojekte fern der bekannten eidgenössischen Tugenden. Ihre Gebäude sind Landmarken, Solitäre, und überraschen jedes Mal mit bahnbrechend neuen Ideen für die jeweiligen Standorte – gerade bei der Aussenhaut der Gebäude mit oft spektakulären Resultaten. So leuchtet etwa die aufblasbare Kunststoffhülle der Allianz-Arena in München in der Nacht in den Vereinsfarben der spielenden Klubs, während das umstrittene Nationalstadion in Peking nach aussen eine lockere Gitterstruktur zeigt und deshalb auch als «Bird’s Nest» bekannt wurde.

Längst hat das Duo Filialen, und ein Prestigeprojekt folgt dem anderen – was nicht immer ohne Probleme abläuft. Zu reden gaben bei der Elbphilharmonie denn auch nicht bloss die bis in jedes Detail exquisit geplante visionäre Architektur von Herzog & de Meuron, sondern auch die Verzögerungen und die Kostenexplosion beim 2007 begonnenen Bau. Um das Zehnfache wurden die ursprünglich mit 77 Millionen veranschlagten Kosten überschritten, und die für 2010 geplante Eröffnung musste bereits mehrmals verschoben werden – am 12. Januar 2017 soll die Elbphilharmonie nun mit einem Konzert feierlich dem Publikum übergeben werden. Ein kleiner Trost ist, dass auch das Opernhaus von Sydney erst mit jahrelanger Verspätung und nach exorbitanter Kostenüberziehung eröffnet werden konnte.


 1333,    24  Feb  2016 ,   Design & Architektur
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