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Architekt: Bernard Tschumi

Das Akropolismuseum

Bernard Tschumi, schweizerisch-französischer Architekt, wurde 1944 in Lausanne geboren. Nach seinem Studium an der ETH in Zürich lehrte er unter anderem an der Architectural Association in London und an der Princeton University, heute hat er eine Professur an der Columbia University inne. Er eröffnete sein erstes Büro 1983 in Paris, sein zweites einige Jahre später in New York. Er gilt zusammen mit Frank Gehry, Zaha Hadid, Daniel Libeskind als Hauptvertreter des Dekonstruktivismus. Seine wichtigsten Bauten: der Parc de la Villette, der neue Pariser Zoo, der Blue Tower in New York und die Konzerthalle des Internats Le Rosey in Rolle.

von Gabrielle Boller

Ein schlichtes Gebäude mit der mathematischen und konzeptuellen Klarheit des antiken Griechenlands – das schwebte Bernard Tschumi für sein neues Museum am Fusse der Akropolis vor. Ruhe und eine gewisse Strenge strahlt das 2009 eröffnete Akropolismuseum denn auch tatsächlich aus. Wie ein Schrein scheint es die Kostbarkeiten in seinem Innern zu schützen, um ihnen gleichzeitig mit einem lichterfüllten Raumkonzept freie Entfaltung zu ermöglichen. Dabei erwies sich das Bauen auf dem geschichtsträchtigen, erdbebengefährdeten Grund als Herausforderung; wie zu vermuten kamen während der Aushubarbeiten Ruinen der Antike zum Vorschein, die erhalten werden mussten. So schwebt das Grundgeschoss mit dem Eingangsbereich auf sorgsam platzierten Betonpfeilern über dem Grabungsfeld, das durch Bodenöffnungen sichtbar in den Museumsbau miteinbezogen ist. Durchblicke gewährt die Architektur aber nicht nur hier – grosse Fensterfronten lassen verschieden gefiltertes Tageslicht einfliessen und ermöglichen gleichzeitig den Blick nach draussen auf die Akropolis. Licht und Bewegung sind denn auch die zwei zentralen Punkte, die den Entwurf Bernard Tschumis prägen: Die skulpturalen Ausstellungstücke sollen bei möglichst natürlicher Beleuchtung betrachtet werden können, und die Besucher beim Durchschreiten der Räume dank einer schlaufenförmigen Wegleitung neben einer Vielzahl räumlicher Eindrücke gleichsam auch einen Gang durch die Zeit und die Geschichte erleben können. Über das mittlere, trapezförmige Stockwerk gelangt man so vom archaischen Zeitalter bis in die Spätantike, um schliesslich den Kopf des Gebäudes zu erreichen, einen leicht versetzten rechteckigen Glaskörper. Hier, von mildem Tageslicht beleuchtet und in Sichtkontakt parallel zum Tempel liegend, befindet sich das Herzstück des Museums, der Parthenon-Fries in den originalen und rekonstruierten Teilen, von denen man in Athen hofft, dass sie eines Tages den Weg aus dem British Museum hierher zurückfinden werden.

Das Akropolismuseum ist mit seiner Ortsbezogenheit ein pragmatisches Werk des sonst meist von theoretischen Konzepten ausgehenden Bernard Tschumi. Er hat denn auch keine typische Architektenlaufbahn eingeschlagen, sondern sich erst mit Theorie und Lehre befasst, bevor er sich mit der Realisierung von Bauwerken beschäftigte. Mit seinem ersten grossen ausgeführten Projekt, dem Parc de la Villette in Paris, gelang ihm jedoch gleich ein Wurf: Er strukturierte das Parkgelände mit einem System von Linien und Flächen und durchsetzte es rasterförmig mit kleinen, feuerroten, unterschiedlichen Funktionen dienenden Architekturstücken, den «Folies». Der urbane Park wurde zu einer komplexen Freizeitlandschaft – und zu einer Ikone des Dekonstruktivismus, einer hoch theoretischen Architekturrichtung, die mit den klassischen Regeln der Baukunst gebrochen und dynamische Gebäude geschaffen hat, die zu zersplittern und jeglichen Gesetzen der Statik zu trotzen scheinen.


 1180,    29  Feb  2016 ,   Design & Architektur
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